ABBA – Voyage – Alles zum neuen Album – Rezension

ABBA ist nach 40 Jahren mit neuem Album VOYAGE zurück

Nach 40-jähriger Pause ist die schwedische Popband ABBA mit dem neuen Album Voyage zurück. Grund genug für eine Rezension.

Fast niemand hatte mehr mit diesem Comeback gerechnet, da eine Reunion von allen Beteiligten über viele Jahre hinweg immer abgelehnt wurde.

Nun ist es also doch soweit.

Seit 2018 bastelten die vier Mitglieder von ABBA an neuen Songs.

Zunächst sollten es eigentlich nur 2 Titel werden. Da die Arbeit an neuem Material aber sehr viel Spaß machte, entstanden im Laufe der Zeit weitere Songs.

Als Ergebnis wird nun das Album Voyage präsentiert.

Dieses enthält 10 neueTitel und weist eine umfangreiche stilistische Bandbreite auf.

In einer gigantischen medienwirksamen Show wurde das Ereignis bereits im Vorfeld zelebriert.

Die Erwartungen sind also denkbar hoch.

Kann Voyage an alte Erfolge anknüpfen?

Schaffen es ABBA noch einmal, charttaugliche Hits aus dem Hut zu zaubern?

Josef Moser hat sich die einzelnen Titel von Voyage angehört.

Abba Voyage – Neue Lieder – Rezension

I still have faith in you

Das Album beginnt mit einer Ballade, die einen melancholischen Rückblick auf die Bandgeschichte bietet. Dabei wird im Text ein „bittersweet song in the memories we share“ angesprochen. Der Erfolg der Band und die damit verbundenen Glücksgefühle konnten leider nicht ins Privatleben der Mitglieder übertragen werden. Die Trennungen beider Paare führten letztendlich auch zum Ende von ABBA. Der Titel beginnt mit einer sehr sparsamen Instrumentierung und der Solostimme von Frida. Im Laufe des Songs steigert sich das Arrangement jedoch immer mehr und gipfelt dann in einem hymnischen Finale. Schön gemacht mit leichtem Musical-Touch in manchen Passagen.

When you danced with me

In diesem Song gibt es musikalische Anleihen an irische Folkmusik. Das betrifft sowohl die Komposition als auch die Instrumentierung. Auch im Text wird explizit Kilkenny angesprochen, so dass sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Es handelt sich um eine einfach gestrickte Nummer, die zum Mitklatschen und Schunkeln einlädt. Geht sofort ins Ohr und bietet alles, was man von einem Volkslied erwartet.

Little things

Dieser Titel dürfte wohl der Weihnachtssong des Jahres 2021 werden. Sowohl textlich als auch musikalisch wird alles eingebaut, was mit Weihnachten in Verbindung gebracht werden kann. Da darf als Steigerung natürlich auch ein Kinderchor nicht fehlen. Es wird die gute alte Zeit beschworen, in der man sich auch noch über die „kleinen Dinge“ freuen konnte. Ein Song, der möglicherweise „Last Christmas“ als meistgespielten Weihnachtssong ablösen könnte.

Don’t shut me down

Der Song beginnt sehr ruhig mit einem Arrangement im Broadway-Stil. Das ändert sich aber sehr schnell. Was folgt, ist ein sehr geradliniger Rhythmus mit einem prägnanten Schlagzeug und einer wuchtigen Synthesizer-Bass-Linie. Der Refrain ist sehr eingängig und wird wieder von beiden Frauen gesungen. Hat Hitpotenzial.

Just a notion

Bereits im Jahr 1978 wurde dieses Stück aufgenommen, jedoch nicht veröffentlicht. Es passte einfach nicht in den damaligen Stil der Band. Viele Jahre später findet es nun seinen Platz auf Voyage. Es handelt sich um eine Nummer, die einfach nur gute Laune verbreiten soll. Dies schafft sie durch einen durchlaufenden Groove, der ein bisschen an die 60er Jahre erinnert. Die Stimmen kommen sehr frisch und dynamisch. Man fragt sich, warum dieser Titel nicht schon früher veröffentlicht wurde..

I can be that woman

Bei diesem Titel handelt es sich um eine Ballade, die hauptsächlich von Klavier und Orchester getragen wird. Auch hier geht es textlich wieder um einen Rückblick. Agnetha singt davon, dass sie jetzt die Frau sein kann, die sie damals nicht sein konnte. Ein Lied mit viel Tiefgang und Ausdrucksstärke, das konzentriertes Zuhören erfordert. Im Arrangement erschließen sich dann viele Feinheiten.

Keep an eye on Dan

Das Lied beginnt mit einem Intro, das sofort Spannung aufbaut. Es geht um eine gescheiterte Beziehung und den schmerzvollen Umgang mit dem gemeinsamen Kind (Dan). Ihr ist bewusst, dass Dan auch den Vater liebt und daher auch Zeit mit ihm verbringen will. „Pass auf Dan auf!“ Ganz am Schluss ertönt das bekannte Piano-Riff aus „SOS“.

Bumblebee

Da hat man sich beim Intro wohl daran erinnert, dass Fernando ein großer Hit war. Die Flöten sind wohl eine bewusste Reminiszenz an diesen Song. In der Mitte wird auch das Schlagzeug von „Can you hear the drums Fernando?“ kopiert. Bedächtige Ballade, die durch die Wahl der Mittel eine nachdenkliche Stimmung erzeugt. Der Text handelt von der Schnelllebigkeit unserer Zeit und den Gefahren, die dadurch für die Natur (Bumblebee) entstehen.

No doubt about it

Der Titel beginnt mit einem typischen ABBA-Refrain. Der Chorgesang erinnert sofort an die 70er Jahre. Nach dem bedächtigen Bumblebee folgt nun eine Up-Tempo-Nummer. Die Strophe lebt vom Einsatz eines wuchtigen Synth-Basses und der Stimme von Frida. Vor dem Refrain erfolgt ein Tempowechsel, der zum Spannungsaufbau dient. Nach dieser ruhigen Phase nimmt der Song wieder Fahrt auf. Gut durchkomponierter Song. Daran kann es „keinen Zweifel geben“.

Ode to freedom

Ich denke bei diesem Titel sofort an “ I have a dream“. Es ist schlüssig, dass Voyage mit einer Ballade abschließt. Im Text wird darüber nachgedacht, wie eine Ode an die Freiheit formuliert werden müsste, damit sie für jeden Menschen auf dieser Welt einen Sinn ergibt. Den Schreibern ist klar, dass sie selbst mit Privilegien ausgestattet sind, die nicht selbstverständlich sind. Diese Zeilen sind ein würdiger Abschluss dieses Albums und ihrer gesamten aktiven Karriere. Ich vermute, deshalb steht Ode to freedom auch an letzter Stelle von Voyage.

ABBA Voyage Rezension – Fazit

Dieses Album ist tatsächlich eine Reise. Die Band selbst reflektiert ihre eigene Karriere und ihr Privatleben. Das tut sie sowohl musikalisch als auch textlich. Doch auch der Zuhörer wird auf eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit geschickt.

Die 70-er Jahre werden noch einmal zum Leben erweckt. ABBA hat sich mit diesem Album nicht neu erfunden. Das wollten sie selbst nicht und das wollten auch die Fans nicht.

So decken sie noch ein letztes Mal alles ab, was man mit der Musik von ABBA verbindet. Sie müssen nichts mehr beweisen. Sie erreichen hohe Chartplatzierungen, ohne darauf abzuzielen. Die Fans haben lange auf ein Comeback gewartet und als schon niemand mehr daran geglaubt hatte, ist es dann doch geschehen.

ABBA sind zurück. Mit Voyage runden sie ihre Karriere ab und setzen einen endgültigen Schlusspunkt, der keine Fragen mehr offen lässt.

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